Bang & Olufsen ersetzt den Firmenchef

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Ein erneuter Blick über den Tellerrand, auf die Großen der Branche und ihre Probleme.

Pressemeldungen zufolge versucht Bang & Olufsen, mit einem neuen Firmenchef seiner Probleme Herr zu werden. Der bisherige CEO Henrik Clausen wird durch den früheren Blackberry-Manager Kristian Tear ersetzt. Clausen war seit 2016 an der Spitze des dänischen Audioherstellers, der – wie allseits bekannt – durch hauptsächlich ästhetisch ansehliche, teils gewagte Kreationen Aufsehen erregte und in Flagshipstores mit bester, d.h. sehr teurer, Innenstadtlage präsentiert (Devialet verfolgt derzeit eine ähnliche Strategie der Disintermediation). Über die klanglichen Meriten der B & O – Geräte waren und sind die Meinungen in der High-End-Gemeinde im übrigen geteilt.

Die bisherigen Zielgruppen der Kunden nahmen in den letzten Jahren die Angebote von B & O zunehmend nicht mehr wahr. Einerseits gingen sie bei den ortsfesten Musikanlagen zu preisgünstigeren Konkurrenten, andererseits entdeckten sie die Vorzüge der mobilen Systeme, mit denen sie ihre Smartphones koppeln konnten, um ihren ‚hochwertigen‘ Musikstücken zu lauschen. B & O hatte in dieser Sparte nichts vorzuweisen, suchte einen Ausweg vielmehr in der Produktion hochwertiger und teurer TVs, was sich jedoch auch als Sackgasse erwies.

In weniger als einem Jahr gab das Unternehmen drei Gewinnwarnungen heraus, zuletzt im vergangenen Sommer, als Bang & Olufsen für das im Mai endende Geschäftsjahr vor einem Rückgang des Umsatzes von bis zu 14 Prozent warnte. Für das laufende Geschäftsjahr 2019/2020 ging das Unternehmen noch von einem Wachstum aus, meldete in der letzten Woche – nach einem Umsatzeinbruch von 30 Prozent den zweiten Quartalsverlust in Folge. Seit Oktober 2018 hat der Börsenkurs der B & O-Aktie über 70 Prozent verloren. Schon 2009 übrigens krachte der Kurs von einem Allzeithoch bei etwa 50 Euro innerhalb weniger Monate auf unter 5 Euro zusammen.

In der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres mit dem traditionellerweise stärkeren Weihnachtsgeschäft sollte allerdings der Umschwung geschafft werden. Das wird nun der neue Chef richten müssen, der Stationen bei Logitech, Blackberry und Sony Ericsson hinter sich hat – nicht gerade Firmen, die für hochwertigstes HiFi oder die behutsame Behandlung übernommener Firmen berühmt sind. Wie bekannt hatte Logitech 2006 die Firma SlimDevices mit der geschätzten Squeezebox übernommen und bereits 2012 trotz sehr marktgängiger Produkte eingestampft. Vor wenigen Wochen kaufte Logitech übrigens die Softwarefirma StreamLabs, Hersteller von Software und Tools für Live-Streaming-Anwendungen. Auf die neue B&O-Strategie – jenseits der üblichen qualitätsgefährdenden Kosteneinsparungsmaßnahmen – darf man also gespannt sein.

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