LP - Digitalisierung


Für die Digitalisierung von Schallplatten gibt es eine Reihe von Motiven:

  • einige Plattenbesitzer wollen nicht mehr mit feinfühligen Plattenspielern hantieren müssen, sondern die Musik auf Datenträger haben, um sie über Musikserver oder Streaminglösungen in hoher Auflösung erklingen zu lassen,
  • andere wollen sie auch im Garten oder unterwegs hören können,
  • und wieder andere haben wertvolle, nicht auf CD erhältliche Vinylschätze, die sie schonen wollen.

 

Technisch ist, wie wir sehen werden, die LP-Digitalisierung kein Hexenwerk.

Aber vorweg für diejenigen, die damit liebäugeln, eine zweifache Warnung:

I. eine LP in vernünftiger Qualität (also in 24 Bit und 96 kHz Auflösung) zu digitalisieren, kostet außerordentlich viel Zeit: Plattenreinigung, Justierung der Aussteuerung in der Aufnahmesoftware zur Vermeidung von Übersteuerungen, Aufnahme in Echtzeit, Bearbeitung der resultierenden Audiodatei (Rauschen, Knistern, Knackser reduzieren; Tracks teilen, Metadaten und Cover hinzufügen – und dies alles zur Sicherung hoher Qualität manuell).

Überschlägig geschätzt, muß man für eine normale LP allein für Vorbereitung und Aufnahme etwa 1½ Stunden aufwenden. Die anschließende manuelle Bearbeitung der Audiodatei kann, je nach Anspruch an die Qualität, bis zu einem halben Tag dauern.

II. Darüber hinaus brauchen Sie hochwertiges und damit teures Equipment, angefangen bei der Plattenspieler/Tonarm/Abtaster-Kombination über den Phonovorverstärker zum Analog-Digital-Wandler, wenn Sie am Ende eine vernünftige Qualität erhalten wollen.

Es lohnt sich schlicht nur für rare LPs, die nicht bereits als CD vorliegen, oder für eine Digitalisierung gut erhaltener Platten in hoher Auflösung, sich diesen Aufwand zuzumuten. Für alles andere ist der Neuerwerb billiger und nervenschonender.

Grundlagen, Workflow


Der Ablauf einer LP-Digitalisierung besteht aus diesen Schritten:

Reinigung der LP in einer Plattenwaschmaschine: es ist zwar nicht möglich, überhaupt keinen Staub und Schmutz mehr in der Rille zu haben, aber es sollte doch so wenig wie möglich sein, um Knistern und Knackser zu reduzieren. Die Tonabnehmernadel ist natürlich auch gereinigt, so daß es weitergeht zur

Abtastung der LP: zunächst ein Durchlauf zur Ermittlung des maximalen Aussteuerungspegels (Übersteuern führt zu Clipping, und im digitalen Bereich ist dies deutlich störend hörbar), dann der Durchlauf zur Aufnahme. Um eine vernünftige Qualität zu erzielen, muß einfach in Echtzeit aufgenommen werden (von „hochmodernen“ Digitalisierungsmaschinen, die mit 8facher Geschwindigkeit abspielen und aufzeichnen und die Geschwindigkeit später digital korrigieren, ist aus Qualitätsgründen abzuraten).

Die Musikinformation ist auf der Schallplatte analog gespeichert in Form kontinuierlich wechselnder Höhen- und Richtungsunterschiede der LP-Rille (die Auslenkungen repräsentieren Frequenz und Lautstärke sowie Kanaltrennung). Der Abtaster, also das Tonabnehmersystem, überträgt diese räumliche Information, die Ortsveränderung, und verwandelt sie in ein analoges kontinuierliches elektrisches Signal (eine Spannungsänderung). Dieses Signal ist sehr klein und muß zur Weiterverarbeitung verstärkt werden. Ferner liegt die Musikinformation in der LP-Rille nicht in echter, sondern in nur verzerrter Form vor (Stichwort „RIAA-Kurve“), die abgetastete Information muß zunächst entzerrt und in Originalform wiederhergestellt werden. Beides ist üblicherweise Aufgabe des Phonovorverstärkers.

Es schließt sich an die Digitalisierung: das vom Phono-Pre gelieferte analoge elektrische Signal wird in den Analog-Digital-Wandler eingespeist, der entsprechend seiner Programmierung ein digitales Signal in gewünschter Wortbreite (z.B. 24 Bit) und Samplerate (z.B. 96 kHz) produziert und zur Weiterverarbeitung an einem seiner Ausgänge (S/P-DIF koax oder optisch, USB, FireWire) bereitstellt, wo es ein Computer entgegennimmt.

Im Computer wird das Signal mit einer geeigneten Software wie Audacity, Amarra Vinyl, Steinberg Wavelab, iZotope RX o.ä. aufgezeichnet und als Datei auf der Festplatte am besten in unkomprimiert-verlustlosem Format wie Wav, Aiff o.ä. abgespeichert.

Das war’s. Die Schallplatte ist digitalisiert.

Nun kommt die Kür, die Bearbeitung und Verfeinerung, wie das Entfernen von Knistern, Rauschen, Knacksern o.ä., das Aufteilen in einzelne Tracks, Adjustieren der Länge der Stille vor/nach jedem Track und das Hinzufügen der Metainformationen über Interpret, Album, Titel, Genre und ggf. des Covers. Mit der genannten Aufnahmesoftware kann man das bewerkstelligen, muß aber viel Zeit und Sorgfalt aufwenden; vom automatischen Bereinigen ist aus Qualitätsgründen abzuraten. Anschließend kann, wenn gewünscht, die Datei z.B. ins verlustlose Flac-Format konvertiert werden. Nun ist sie zum Abspielen bereit. Oder man brennt alles auf CD und kann es dann im Auto hören.

Equipment


Alle Geräte in der Abspiel-/Aufnahme-Kette: der Plattenspieler mit Tonarm und Tonabnehmersystem, die Verkabelung, der Phonovorverstärker, der AD-Wandler, hinterlassen ihren akustischen Fingerabdruck, der die Aufnahme eindeutig und hörbar prägt. Die mittlerweile schon für 100 Euro erhältlichen USB-Plattenspieler, die so gerne die Einfachheit der Bedienung - Platte auflegen, per USB mit der Rechner verbinden und aufnehmen - betonen, klingen so, wie sie aussehen: bestenfalls bescheiden, sind für etwas anspruchsvollere Zwecke aber nicht zu gebrauchen.

Vor allem dann, wenn man hochwertiges Vinyl in hoher Auflösung digitalisieren möchte, benötigt man höchstwertiges Equipment.